Archiv für den Monat: Juli 2018

Formale Qualifikation überbewertet – deswegen kein Frauenwohnheim in Minden (Westf.)?

In Minden in Westfalen

befindet sich ein mir gut bekanntes Wohnheim für wohnungslose Männer, das Rudolf-Winzer-Haus. Vermutlich weil in unserem Lande die formale Qualifikation überbewertet wird, und zwar extrem, die formale Qualifikation der Chefs und der Beschäftigten in Deutschland – gegenüber dem was sie tatsächlich können – extrem überbewertet wird, kann in in Minden kein Frauen- Wohnungslosenheim eröffnet werden.

Nicht einmal eine Frauenabteilung im selben Haus.

Im folgenden schildere ich, was mich zu der Vermutung führt.

Formale Qualifikation überbewertet?

Ich hatte ein Gespräch mit den Verantwortlichen, weil eine gute Bekannte von mir, falls sie wirklich wie sie will, in die Gegend hier zieht, zunächst einmal wohnungslos sein wird.

Was hat sich betreffend Wohnungslose Mädchen und Frauen verändert?

Es verstecken sich nicht mehr so viele wie früher. Etwa in Zweckbeziehungen nach dem Muster „Sex gegen Dach über dem Kopf“. Die betroffenen Mädchen und Frauen haben begriffen, dass sie sich nicht mehr verstecken brauchen.

Ursache der Wohnungslosigkeit ist oft eine Suchterkrankung. Oft aber auch nicht.

Was auch immer zu der Wohungslosigkeit geführt hat, das Ergebnis ist: wenn ein Mädchen oder eine Frau wohnungslos ist, hat sie dieselben Probleme wie ein wohnungsloser Mann. Und noch mehr.

Und es gab ein Gespräch mit den Beschäftigten und auch den Chefs in diesem Wohnheim für Männer. Da wurde mir gesagt, dass sie sehr wohl gern eine Frauenabteilung eröffnen würden, aber sie seien irgendwie nicht berechtigt oder qualifiziert.

Wenn für wichtige Dinge vor allem die formale Qualifikation entscheidet, laufen die Dinge falsch!! Das ist, wenn man sich nur die formale Qualifikation der Mitarbeiter/-innen anschaut.

Wenn man sich die tatsächliche Eignung der Mitarbeiter und vor allem der Mitarbeiterinnen anschaut, selbstverständlich Unsinn.

Charakterlich sind sie selbstverständlich geeignet, auch Frauen, die wohnungslos sind, Hilfe zu leisten.

Man muss also – gemäß der Worte von Jan Liefers bei der Alexanderplatz-Demonstration 1989 – sinngemäß so: folgern:

In unserem Lande sind Strukturen vorhanden, die jede Veränderung unmöglich machen

Die müssen deshalb zerstört werden.

Entschleunigung des Reisens – wie kann das gehen?

Warum Touristen die Welt zerstören

Eine gewisse Entschleunigung auch beim Reisen fordert ein Artikel der Onlineausgabe der taz von vor ein paar Tagen: http://taz.de/!5516458

Der Artikel erwähnt die „konsumistische“ Grundhaltung, die der Tourist im fremden Land oft hat, auch, dass die meist verwendete Methode um ins Reiseland zu kommen, nämlich das Fliegen, klimaschädlich ist.

Nicht nur wegen Klima tut Entschleunigung gut – das Öl wird knapp!

Ich persönlich hege gewisse Zweifel an der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung. Jedoch bin ich sehr besorgt wegen der nur begrenzt vorhandenen Ressourcen an Erdöl, die noch in der Erde liegen – und da ist die Folgerung genau dieselbe wie bei Bedenken wegen des Klimas:

mit dem Fliegen sollte man sich ein wenig zurückhalten. Und wie im Artikel gesagt: beispielsweise nach Peking könnte man – statt zu fliegen – bequem mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren – wenn man denn die Zeit hätte.

Entschleunigung tut also hier ganz gut!

Gegen Ende kommt der Artikel zu dem, was heute mein Thema ist, nämlich „Entschleunigung“ – Zitat:

Eine bessere Art zu reisen setzt einen anderen Umgang mit Zeit voraus. Weg vom schnellen Konsum austauschbarer Zielorte, hin zu bewusstem Genuss – ein „Slow Travelling“. Das langsame Reisen muss nicht zwangsläufig im Nahbereich stattfinden: So lässt sich Peking vom europäischen Festland aus bequem per Bahn erreichen, über Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn, die obendrein häufiges Aussteigen erlaubt. Welterfahrung als ein Er-Fahren der Welt.

Dies erfordert selbstverständlich – aus gängiger, das heißt zumeist sozialistischer oder linker Perspektive – dass die Leute viel mehr bezahlten Urlaub pro Jahr haben – etwa zwölf Wochen anstatt sechs.

In http://freiheitvorsicherheit.net/2017/04/29/noch-was-ist-arbeit bin ich auf eine ganz andere Art heran gegangen. Da hatte ich mich ausgelassen gegen die so genannte Arbeitsverdichtung – das ist die Kehrseite der Medaille – nicht nur auf Reisen sondern auch bei der Arbeit hetzen wir von Jahrzehnt zu Jahrzehnt mehr.

Irgendetwas läuft da gewaltig falsch.

Und was hat man von noch mehr Arbeitszeitverkürzung, wenn man dieselbe Arbeit in noch kürzerer Zeit bewältigen muss?

Wenn immer mehr Menschen, die an sich arbeiten können, nur eben langsam – vom jetzigen System nur noch an Arbeitsplätze in Werkstätten für Behinderte Menschen heran gelasssen werden …

Entschleunigung geht – wie ich glaube – anders!

Es geht mittels Deregulierung.

Jetzt höre ich gleich einen wütenden Aufschrei: dass die Konzerne und Großfirmen noch mehr alles so machen können, wie sie wollen?

Ich zitiere mich einmal selbst. In dem gerade eben verlinkten Blogartikel hatte ich geschrieben:

Einhergehend mit Deregulierung. Aber nicht so, wie es heute gemacht wird, nämlich einseitig zugunsten der Konzerne und der großen Firmen. Der großen. Denn die kleinen haben oft ganz, ganz schmale Gewinnmargen, ihnen geht es dann nicht besser als den Beschäftigten.

Mit anderen Worten:

Für die kleinen Leute mehr Freiheit durch Deregulierung

Das geht nicht.

Das geht, so wie es normalerweise gemacht wird nicht.

Was müsste gemacht werden?

Es müsste auf unkorrupte Weise dereguliert werden.

Das heißt, nicht einseitig zugunsten der Konzerne und der großen Firmen.

Und: echte Selbstregulierung des Arbeitsmarktes würde auch bedeuten, dass man – wie zu Zeiten des Hippie-Trail – einfach zu arbeiten aufhören kann um eine mehrere Monate lange Reise zu tun.

Wenn das Geld ausgeht, geht man einfach im Heimatland wieder eine Zeitlang arbeiten.

Oder sogar dort, in dem Land, wo man gerade ist.

Das geht heute im allgemeinen nicht mehr. Nur ganz wenigen Globetrottern gelingt das noch. Es wird – unter so genannter neoliberaler Steuerung – die Arbeitswelt immer härter und härter.

Was sagte doch sinngemäß Herr Varoufakis?

Liberalismus (ob nun „neo“ oder nicht) bedeutet an sich, dass Leute wie Du und ich auch wirtschaftliche Freiheit genießen – und nicht nur die Konzerne und Großfirmen.

Das würde ich – Jan David Mörike, auch genannt „Der Pirat vom See“ – so formulieren: der sogenannte Neo- bzw. Wirtschaftsliberalismus ist ein Lügensystem – genau so wie der Sozialismus, den wir in Europa zum Glück Ende der 80er Jahre überwunden haben.

Deregulierung ist nicht generell gut.

Sie ist nur dann gut, wenn sie auf unkorrupte Weise durchgeführt wird.

Nur dann ist – außer auf Reisen – auch in der Arbeitswelt Entschleunigung möglich.

Und nur dann können wir auch öfter den Arbeitsplatz wechseln anstatt möglichst nur bis zum Rentenalter durchzuhalten.

Und es besteht sogar die Freiheit, während einer Reise Arbeit aufzunehmen.

Das englische Wort „travel“ für reisen klingt ähnlich wie das französische „travailler“ für arbeiten.

Und das ist kein Zufall.